Styx - Das Wasser des Grauens

dandro | 16. Juni 2010

 

Es ranken sich viele Bäume in und Geschichten um die Mosoni Donau.

 

Manche Ruderer wurden fast von Blitzen getroffen, andere hingen in, auf oder unter Bäumen, andere auf einem der seltenen Zeichen von Zivilisation (einem Metallpfahl), und wiederum andere steckten für das Fortkommen eher hindernd in meterhohem Gatsch. Ja, geschätzer des Lesens mächtiger Pirat, das klingt, wie Sie mir sicher zustimmen wollen, verlockend.

 

Erst 16, dann 14, und schlussendlich zwölf Piraten inkl. 2x Donauhort brachen also mit teilweise Durchstich-, Drau-, Dordogne oder sonstigen vielleicht manches relativierenden Ansichten auf, um endlich auch eine Horrorgeschichte parat zu haben, wenn man mal zusammensitzt.

 

Der Wasserstand bei der Abfahrt in Langenzersdorf war leicht erhöht, was sehr praktisch war, da sich aufgrund des überfluteten Treppelweges der Radfahrerverkehr in überschaubaren Grenzen hielt.

 

Kaum eingestiegen, waren die drei Boote auch schon in Bad Deutsch Altenburg, wo es traditionell immer zu regnen beginnt. So richtig unwetterte es erst nächtens, Hotel Kiyev hielt der Belastung aber, wie all die Jahrzehnte davor, stand, und verlor wieder nichts von seinem Charme.

 

Tag 2

Man kann sagen, rudern hätte die Reisegeschwindigkeit von 14-16km/h nur gestört, die 20km zum Damm von Cunovo dienten der Verdauung des üppigen Frühstücks, bei dem es endlich auch mal Zwiebelrostbraten gab (wie oft bleibt dieser Wunsch frühmorgens leider unerfüllt...).

 

Einer Umtragung ins Flussbett der "echten" Donau folgten drei Kilometer Schussfahrt bis zur zweiten notwenigen Übersetzstelle, um zur Mosoni Donau zu gelangen. Knappe zwei Kilometer gut ausgebaute Schotterstraße und Wägen unter den Booten machten den Fußweg zu einem gelungenen Ausflug und boten Möglichkeiten, Land, Leute und Kultur mal etwas näher kennenzulernen.

 

Wäre nicht eine rollige Hirschkuh in den Weg geschwommen, so hätte auch unser Zweier die ersten 30km Kilometer bis zur Nachmittagsrast in einem Ort (keiner weiß mehr, wie er heißt) trocken überstanden.

 

Die Weiterfahrt bis zur Ankunft bei unserem sympahischen Ruderfreund Manfred Klein, der uns im idyllischen Ort Kimle Herberge zur Verfügung stellen sollte, wurde intensiv mit der Suche nach einer Gefahr verbracht. Sie wurde gefunden: es gab die Befürchtung, dass es kein Abendessen mehr geben würde, weil's schon wieder recht spät war. Aber auch diese Unsicherheit wurde rasch vom Landteam beseitigt, Elvira heilte alle Wunden.

 

Gott sei Dank wussten wir aus Vorberichten, dass unser sympathischer Ruderfreund Manfred sympathisch ist, man hätt's fast nicht bemerkt. Er wollte nicht wahrhaben, dass man unkompliziert von der großen zur kleinen Donau gelangen kann. "Das hat noch niemand gemacht, geht nicht."

Die Herberge sehr gepflegt, alles weiß, wir schmutzig, er ließ uns diese Unvereinbarkeit mit wenigen Worten und scharfen Blicken spüren. Die Fenster unnötig, wir wurden gebeten, diese wegen des Pollenflugs bitte ständig geschlossen zu halten. Alles korrekt, das Frühstück, Manfred - danke, auf Wiedersehen.

 

Tag 3

75km sollten es werden, wurden es auch. Nachdem bis zu Rast 1 Strömung mit uns war, eröffnete sich für die letzten 40km ein seltenes Naturschauspiel, das wir nicht unbedingt hätten erleben wollen: Aufgrund des Hochwassers der Donau wurden die Wehre des Kraftwerks Gabcikovo voll geöffnet, weder die Mosoni Donau noch die bei Györ in diese mündende Raab konnten abfließen - das Wasser staute sich zurück und stieg stetig, die Strömung drehte.

Lulugehen war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich, das Ufer war weg.

Die geplante Ankunftszeit verschob sich (mal wieder) um einige Stunden nach hinten, die (wirklich) netten Besitzer des Hotels Anker freuten sich trotzdem.

 

Tag 4

Wo die Donau - an diesem verlängerten Wochenende übrigens aufgrund der Sperre für die Schifffahrt ein Privatfluß - sich sonst kaum bewegt und noch langweiliger ist als der Altenwörther Staubereich, nämlich bei Komarom, wurden an diesem Tag immer noch angenehme 10km/h Strömungsgeschwindigkeit wohlwollend registriert.

Dass das eigentlich einfach zu erreichende Endziel Esztergom doch nicht angesteuert wurde, lag einerseits an der langwierigen Essensaufnahme im Ort Süttö, andererseits an den überfluteten Straßen der ehemaligen Hauptstadt Ungarns.

 

 

Zusammenfassung:

Bratislava - Kimle: problemlos

Mosoni Styx: sehr schön

Manfred: na ja

Hochwasser: Respekt ja, Angst nein

 

 

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